IBA  Nachricht  Landkreis Schaumburg. Aus der Arbeit der 
Initiative Bildung für Alle (IBA),  Januar 2003. 

Die IBA setzt Schwerpunkte. Der Vorstand schlägt allen Interessierten für das begonnene Jahr vor, sich in der politischen Arbeit auf ein Hauptgebiet mit drei Grund-Themen zu konzentrieren. 

1. Das grundsätzliche Ziel der IBA lautet Bürger für gesellschaftliche Erneuerung. Mit diesem Auftrag rücken u. a. auch Forderungen an den Umgang der Politiker untereinander in den Vordergrund. Sauberkeit in der Politik  ist die Voraussetzung für eine konstruktive Arbeit, wie sie vor allem in Zukunftsfragen verlangt wird. Dazu mag die von mir zum Wahlkampf 2001 gestaltete Overhead-Seite dienen (siehe Anlage auf nächster Seite). Die IBA wird sich in dieser Hinsicht mit allen gesellschaftlichen Kräften ( Kirchen, Vereinen, Agenda 21,  Bürgerinitiativen usw.) wie auch mit den politischen Parteien verbinden.

Die drei fundamentalpolitischen Bereiche der IBA für 2003 sind
 

1. Bildung/Forschung
2. Soziales und
3. Umwelt

Diese drei Bereiche sind untrennbar miteinander verbunden, denn sie gehen im besonderen Maße von gesellschaftlichen Kräften aus, die eine überparteiliche Sichtweise verlangen. Die Wurzeln liegen  tief in der Familie und in den Kommunen. Das gibt Gewicht von unten, birgt aber auch Gefahren in sich. Der Abstand zu Volksvertretern kann leicht dazu verleiten, diese Zukunftsfragen parteilich selektierten  „Experten“ zu überlassen und sie von oben in Land, Bund und EU einseitigen Interessenlagern zu opfern. Das radikale Wechselspiel von einer Wahlperiode zur anderen ist der Bedeutung unwürdig, - vor allem, wenn das eigentliche pädagogische Konzept nicht im Vordergrund steht, sondern primär an Strukturen gewerkelt wird. 

Was spricht eigentlich dafür, ein flächendeckendes Angebot an  integrierten Gesamtschulen zu unterbinden und den derzeitigen Stand des Förderkonzeptes in solchen Schulen sogar noch zurückzubauen, wie dies zur Zeit in Niedersachsen geschieht?  Diese Schulform, welche sich bewährt und den ab- und ausgrenzenden Sortierbetrieb der dreigliedrigen Schule erfolgreich überwunden hat, herrscht in fast allen europäischen Ländern vor, besonders ausgeprägt in den PISA-Siegerländern. Berufs- und standespolitische Kontroversen oder engstirnige Kirchturmpolitik sollten in dieser Frage keinen Platz haben. Leider ist das bei uns nicht der Fall. Sollen die Familien, Kommunen und Kreise das einfach so hinnehmen? Die IBA hat also viel Überzeugungsarbeit vor sich und hofft auf tatkräftige Unterstützung der Bürger.

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IBA Nachricht Obernkirchen.  Aus der Arbeit der Initiative Bildung für Alle 
(IBA) in Obernkirchen, Januar 2003. 

Die folgende Pressemitteilung aus meiner Feder steht zur Diskussion:

Quo vadis Obernkirchen ? Oder das Wichtigste unserer Politik!  (K.Bögel, IBA Obernkirchen, 27.11.03) 

Mit der „Schulreform“ geschieht im Landkreis Schaumburg etwas Unfassliches. Ohne klares pädagogisches Konzept werden Schulen gegliedert und Schulräume geordnet. Hektisch wird das neue Schulgesetz aus Hannover befolgt. Alternativen zur Abschaffung der Orientierungsstufe werden erst gar nicht durchleuchtet. Elternumfragen, die schon in ihrem Ansatz verstümmelt sind, dienen als eine Art demokratisches Feigenblatt. Die eigentlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder und die Zukunftsentwicklung unserer Gesellschaft sind zweitrangig. Standes- und kirchturmpolitische Kräfte haben einmal mehr obsiegt.  Die IBA (Initiative Bildung für Alle) übt daran harte Kritik (z.B. Schaumburger Zeitung am 26. 11.2003). 

Für Obernkirchen ergibt sich eine ganz besondere Situation. Vorgänge um eine Gesamtschule hatten in den vergangenen Jahren erhebliche Irritationen ausgelöst. Zunächst aus Hannover forciert, wurde das Projekt von unseren Kreispolitikern in ein ruhmloses Debakel verwandelt, bis alles im Dunkel der Politik verschwand. Die einzige Erhellung betraf falsch interpretierte Zahlen und juristische Winkel-züge, welche den Begriff vom „Schaumburger Märchen“ hinterließen. Nach offiziellen Daten, wie sie heute aus der Kreisverwaltung nach außen dringen, hat Obernkirchen im Landkreis Schaumburg den höchsten Anteil an Eltern, die für ihr Kind die Hauptschule wünschen, und die niedrigste Quote, die ihr Kind zum Gymnasium schicken möchten. Danach richtet der Landkreis nun seine Planung für kommende Jahrzehnte, aber nicht etwa, um gegenzusteuern und Chancengleichheit zu gewährleisten. Vielmehr wird Obernkirchen entsprechend eingestuft und die Bildungsmisere festgeschrieben. Ganz anders in den Nachbarstädten. Dort wird forsch aufgerüstet. Weit über 100 neue Schulräume sollen an deren Gymnasien entstehen. Als besonderen Gag denkt man gar an eine Außenstelle der "IGS Schaumburg", aber nicht etwa in Obernkirchen, sondern in Stadthagen, wo sich das Zentrum dieser Schule ohnehin schon befindet!  An eine Außenstelle eines Gymnasiums in Obernkirchen, wo OS-Schulräume leer stehen werden, denkt in unserer Kreisverwaltung wohl überhaupt niemand mehr. Oder vielleicht doch? Die Bedarfszahlen reichen in Obernkirchen für zwei gymnasiale Züge fast aus, Ein weit größerer Bedarf  entsteht, wenn Deutschland mit führenden EU-Staaten gleichzieht und sich hier die Schülerquote mit Hochschulreife verdoppelt.

Zu allem müssen wir die Aufrüstung der Nachbarstädte auch noch mitfinanzieren. Nach ersten Schätzungen werden auf die Gemeinden mindestens 12 Mio. €  für die Neubauten abgewälzt, - über die Schulbaukasse. Außerdem wird das Kreisumlagesystem Jahr für Jahr fast 2 Mio. € an Mehrkosten für die Schülerbeförderung abdecken. Die Mehrheit der Mandatsträger, leider auch der SPD, jubelt diesem Rückschritt in ein gegliedertes und zentralisiertes Schulsystem zu. Zynisch könnte man sagen, dass Landesregierung und Landkreis endlich eine Bildungspolitik für die „besseren“ Bevölkerungs-kreise betreiben. Das hatten wir so schon lange nicht mehr. Mit den vielen neuen Fahrschülern ab 10 Jahren wird zudem eine willkommene Kaufkraft in die Gymnasialstädte gespült, und zwar auf Kosten der kleineren Orte. Das passt voll ins Universum der Globalisierung. 

Richtig makaber wird die Bedarfsarithmetik des Landkreises aber erst, wenn man bedenkt, dass sich die Hälfte aller Eltern an der neuesten Umfrage zur gewünschten Schulform überhaupt nicht beteiligte. Deren Kinder bleiben in der Zukunftsplanung auf der Strecke. Und gerade dort liegt das soziale Problem. Jeder, der nur in etwa an die Zukunft denkt, muss diese Art von statistischer Erhebung ablehnen, vom speziellen Erosionsschaden für Obernkirchen ganz abgesehen. Welche Familie möchte sich in einem städtischen Gebiet niederlassen, in dem sich Ausgegrenzte und  Zurückgesetzte sammeln?  Mein Ruf nach Entwicklungsausgleich für alles, was unserer Stadt genommen wurde, erhält neues Gewicht.

Die IBA sieht die Lösung aus der Bildungsmisere in einem flächendeckenden Angebot von Integrier-ten Gesamtschulen, ganztags, ohne Versetzungshürden, mit primärer Förderung der Schwachen wie auch der Begabten. Das fördert die Gesundung der Gesellschaft als Ganzes. Für die Gemeindeebene ergibt sich aus der IBA-Politik ein weites Bündel an bildungspolitischen Aufgaben. Sie bilden den Kern der IBA. Die im Bildungsvergleich weit erfolgreicheren Staaten Europas machen es uns vor. 

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